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Mario Pfeifer. Again / noch einmal

Mario Pfeifer. Again / noch einmal

03. Oktober 2018 bis zum 06. Januar 2019

 

 

Informationen zur Ausstellung » 


Die Kunstsammlungen Chemnitz zeigen ab dem 3. Oktober 2018 die beiden Videoarbeiten Again / Noch einmal (2018) und Über Angst und Bildung, Enttäuschung und Gerechtigkeit, Protest und Spaltung in Sachsen / Deutschland (2016 – fortlaufend) des 1981 in Dresden geborenen Künstlers Mario Pfeifer. Die Kunstsammlungen sind damit das erste öffentliche Museum, das die für die Berlin Biennale 2018 produzierte 2-Kanal-Video-Installation Again / Noch einmal mit den bekannten Schauspielern Dennenesch Zoudé und Mark Waschke zeigt.

In dieser Arbeit greift Pfeifer einen Vorfall aus dem Jahr 2016 im sächsischen Arnsdorf wieder auf, als ein Geflüchteter von vier deutschen Männern nach einem Streit im Supermarkt an einen Baum gefesselt wurde. Der Fall wurde nicht vor Gericht verhandelt, da der Geflüchtete in der Zwischenzeit tragisch verstarb und das Gericht kein öffentliches Interesse an einer Strafverfolgung der vier Männer sah. Pfeifer rekonstruiert mithilfe von investigativen Journalisten den Vorfall und lädt zehn Bürgerinnen und Bürger mit unterschiedlichen Flucht- und Migrationserfahrungen ein, der Rekonstruktion beizuwohnen und anschließend ihre Sicht auf den Vorfall zu erläutern. Der Künstler zeigt die unterschiedlichen Perspektiven auf zwei Projektionen, untersucht ethische Normen und das Verhältnis von Bürgerinnen und Bürgern zum Rechtsstaat, die fließenden Grenzen zwischen Notwehr, Zivilcourage und Selbstjustiz. Er lädt damit aber auch die Betrachterinnen und Betrachter der Videoinstallation ein, sich ihr eigenes Urteil zu bilden.

Komplementär zu Again / Noch einmal wird die 9-stündige Videoarbeit Über Angst und Bildung gezeigt, in der Pfeifer neun Personen mit unterschiedlichen biografischen und beruflichen Hintergründen auf Fragen des Künstlers zur politischen, sozialen und wirtschaftlichen Situation ab 2016 in Sachsen antworten lässt. Ausgangspunkt sind die Pegida-Demonstrationen und die Frage, woher welche Einstellungen kommen könnten. Ein komplexes und zum Teil widersprüchliches Stimmungsbild entspinnt sich vor den Augen der Betrachterinnen und Betrachter, da Pfeifer die Fragen, die Namen der Interviewpartner und weitere Charakterisierungen ausblendet und allein auf die Nahaufnahme des Gesichts und die Antworten fokussiert, ohne jede weitere Positionierung oder Kommentierung. Man selbst ist gefragt, sich zu den geäußerten Ängsten und Befürchtungen, Ansichten und Folgerungen zu positionieren und die eigene Haltung womöglich zu überdenken.

Vor dem Hintergrund der Demonstrationen und Ausschreitungen in Chemnitz laden die Kunstsammlungen mit dieser Ausstellung zu einem Austausch über die in den Arbeiten behandelten Fragestellungen, die momentan die Stadt Chemnitz und das Land Sachsen, aber auch darüber hinaus viele Menschen in Europa bewegen, ein: Protest zwischen Zivilcourage, Rechtsstaatlichkeit und Selbstjustiz, Vielfalt und Identität, Globalisierungsängste und Bildungschancen, Gerechtigkeit und Sicherheit, Fremdenfeindlichkeit und Verteilungskämpfe. Dabei arbeitet Mario Pfeifer nicht mit binären Gegenüberstellungen, sondern interessiert sich für Überschneidungen gegensätzlich geglaubter Positionen und ambivalenter Graubereiche, die der Komplexität demokratischer Aushandlungsprozesse entsprechen. Er lässt Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und Ansichten zur Sprache kommen, die sonst im öffentlichen Diskurs eher selten oder verzerrt zu hören sind. Ambiguität prägt die Ausstellung und folglich Offenheit und nicht bereits vorgefertigte Urteile.

Begleitet werden die beiden Arbeiten durch Vorträge, Diskussionsrunden und sogenannte Live Speaker, die den Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern suchen werden, aber auch die Arbeiten kontextualisieren und Wissen vermitteln sollen. Die Ausstellung ist als Beginn eines Ausstellungs- und Vermittlungsprogramms zu betrachten, das einen öffentlichen Diskurs in Chemnitz durch kritische künstlerische Positionen anregen, einen – auch kontroversen – Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern stiften und damit die Zivilgesellschaft in Chemnitz und Sachsen stärken will. Termine, Themen und Gäste des Veranstaltungsprogramms werden in Kürze bekannt gegeben.

Anlässlich der Eröffnung am 2. Oktober 2018, 19 Uhr findet ein Künstlergespräch zwischen Mario Pfeifer und dem Kunsthistoriker und Journalisten Georg Imdahl, Professor an der Kunstakademie Münster, statt.

Again / Noch einmal wurde von der 10. Berlin Biennale in Auftrag gegeben, ko-produziert von Mario Pfeifer Studio in Zusammenarbeit mit Rundfunk Berlin-Brandenburg in Kollaboration mit Arte und KOW, gefördert vom Medienboard Berlin-Brandenburg und der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen. Weitere Informationen finden Sie zu Again / Noch einmal unter http://www.aboutnow.info/ und zu Über Angst und Bildung unter http://www.ueber-angst-und-bildung.info/.

© Kunstsammlungen Chemnitz 2018