2. Juli 2026, 18:15 Uhr | Kunstsammlungen am Theaterplatz

Lesung: Ein Abend für Doris Kiesow. Stella Maria Adorf über ihre Großmutter

Stella Maria Adorf spricht über ihre Großmutter Doris Kiesow, die Mitte der 1920er Jahre in Chemnitz Bühnenerfolge feierte. Doris Kiesow gehörte von 1924 bis 1927 zum Chemnitzer Schauspielensemble und hat eine fast vergessene Künstler:innenbiografien, die durch den Abend eine Würdigung erhalten soll. In zahlreichen Rollen (u.a. als Heilige Johanna, als Eliza Doolittle in Shaws Pygmalion oder als Emil Thülecke in Kyritz Pyritz) feierte Doris Kiesow als junge Schauspielerin und als vielversprechendes Talent in Chemnitz Bühnenerfolge. In den Kunstsammlungen am Theaterplatz befindet sich das Gemälde Schauspielerin Doris Kiesow als Heilige Johanna (1928) von Carl Lange, dass zur Veranstaltung ausgestellt ist. Mit dem Chemnitzer Fabrikanten Karl Goeritz verband sie eine tiefe Freundschaft, wovon noch immer im Familienbesitz befindliche Geschenke ein beredtes Zeugnis ablegen.

Im Juni 1927 wechselte sie nach Dresden ans Albert-Theater, wo sie ihren späteren Ehemann Paul Verhoeven kennenlernte. Anschließend spielte sie an den Hamburger Kammerspielen. Anfang 1930 wurde sie zum Chemnitzer Stadtgespräch, nachdem die lokale Presse eine »Tatarenmeldung« vom Tod der Schauspielerin verbreitet hatte. Im Februar 1930 wurde diese berichtigt. »Doris Kiesow lebt!« hieß es in der Allgemeinen Zeitung Chemnitz. Die Schauspielerin wandte sich selbst in einem Brief an das Chemnitzer Publikum und versicherte, dass sie »quietschvergnügt« sei: »Vielleicht lässt mich Generalintendant Tauber schnell einmal gastieren, damit sie sich von der totgesagten, aber nach wie vor quicklebendigen Kiesow überzeugen können.« Zu diesem von beiden Seiten erhofften Gastspiel kam es dann allerdings nicht mehr. Antisemitische Anfeindungen trieben Tauber im August 1930 resigniert in den Ruhestand und Doris Kiesow hörte nach der Geburt ihrer ersten Tochter Lis, der Mutter von Stella Maria Adorf, für zwei Jahrzehnte ganz mit dem Spielen auf. Lis Verhoeven war selbst als Schauspielerin und Regisseurin aktiv, ebenso ihr Bruder Michael Verhoeven, der spätere Ehemann von Senta Berger.

Der Abend widmet sich im Gespräch mit Stella Maria Adorf, Tochter von Lis Verhoeven und Mario Adorf, der Familiengeschichte, der Theaterkarriere ihrer Großmutter, aber auch der gesellschaftlichen Bedeutung von Kunst und Kultur und der damit verbundenen Institutionen als Orte der Kommunikation, der Reflexion und des Austauschs, mithin als Säulen des demokratischen Miteinanders.

Die Veranstaltung ist eine Kooperation mit dem SMAC und den Buntmacher:innen und findet im Rahmen der Ausstellung »Threads. Verpflechtungen«, die bis zum 26.7.2026 im SMAC gezeigt wird, statt.

Die Ausstellung zeigt die Netzwerke von 25 ehemals in Chemnitz lebenden jüdischen Familien. Sie setzt die Biografien zueinander in Beziehung und entdeckt verlorene Geschichten neu. Die Chemnitzer Textilindustrie, der dominierende Wirtschaftszweig der Stadt im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, wurde maßgeblich von jüdischen Unternehmern geprägt. Mit ihren Spinnereien, Textilfabriken und ihrem unternehmerischen Geschick trugen sie entscheidend zur Entwicklung von Chemnitz zu einer prosperierenden Fabrik- und Handelsstadt bei. Ihr innovatives Potenzial, sowohl in wirtschaftlicher, sozialer als auch kultureller Hinsicht, war enorm. Sie traten als Mäzene auf, förderten großzügig den Aufbau kultureller Einrichtungen, engagierten sich für den künstlerischen Nachwuchs, trugen zur Modernisierung des Marketings bei und schufen so nachhaltige, stilbildende Fäden weit über die Stadt hinaus.

Wir bitten um Buchung der Tickets über unseren online Ticket-Shop, den Sie auch auf unserer Website rechts als Reiter finden. Vielen Dank!

Wir freuen uns auf Sie!

Termin speichern Wegbeschreibung Wegbeschreibung