Carlfriedrich Claus-Archiv

Carlfriedrich Claus-Archiv, Foto: Kunstsammlungen Chemnitz, Stiftung Carlfriedrich Claus-Archiv

Carlfriedrich Claus (1930–1998) gilt als einer der Mitbegründer der visuellen Poesie und wird heute international hoch geschätzt. Er schuf kleinformatige, filigrane Arbeiten auf Transparentpapieren, die er beidseitig dicht bezeichnete und beschrieb, sodass die Linien Netze und Überlagerungen bilden und Figuren oder Landschaften ahnen lassen. Nicht lesbar im eigentlichen Sinne des Wortes, betrachtete Carlfriedrich Claus selbst diese Blätter, die er Sprachblätter nannte, als ein Randgebiet der Literatur. Parallel dazu entstand ein akustisches Werk asemantischer Lautprozesse, die er auf Tonträgern speicherte. Innerhalb der vorgegebenen Grenzen sozialistischer Kunst fand sich für dieses hochkomplexe Werk kein Platz, sodass ihm in der DDR eine öffentliche Resonanz weitgehend versagt blieb. Erst in den Jahren nach der politischen Wende 1989/1990 wurden dem Künstler zahlreiche und hohe Ehrungen zuteil: Er war Mitglied der Akademie der Künste, Berlin, und neben namhaften Kunstpreisen wurden ihm eine Ehrenprofessur des Freistaates Sachsen und das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Bereits zu Lebzeiten hatte der Künstler verfügt, dass sein Nachlass in den Kunstsammlungen Chemnitz einen bleibenden Platz finden soll. Chemnitzer Unternehmer schufen 1999 die Voraussetzung für die Gründung der Stiftung Carlfriedrich Claus-Archiv. Mit der Erfüllung des Vermächtnisses sind die Kunstsammlungen Chemnitz um einen großartigen Komplex zeitgenössischer Kunst reicher geworden. Das Carlfriedrich Claus-Archiv bewahrt 575 Handzeichnungen und rund 850 Druckgrafiken und Zustandsdrucke des Künstlers sowie Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern, die mit Carlfriedrich Claus befreundet waren – unter ihnen Bernard Schultze, Fritz Winter, Willy Baumeister, Gerhard Altenbourg, Michael Morgner, Klaus Sobolewski, Josef Hiřsal, Ian Hamilton Finlay u.a. Das akustische Werk von Carlfriedrich Claus liegt auf 15 Spulentonbändern und 267 Tonbandkassetten vor. Manuskripte, Tagebücher, Notizbücher, Fotografien und Negative, ein Zeitungsarchiv, persönliche Dokumente und Familiendokumente geben Einblick in die Gedankenwelt und die Biographie des Künstlers. Darüber hinaus enthält der Nachlass mehr als 22 000 Briefe. Carlfriedrich Claus korrespondierte mit international bekannten Persönlichkeiten des Kultur- und Geisteslebens: Künstlern wie Raoul Hausmann, Fritz Winter und Hans Arp, Literaten wie Christa Wolf und Erich Ahrend, dem Philosophen Ernst Bloch oder dem Kunsthistoriker Will Grohmann. So reflektiert der Briefwechsel die Theorien und Debatten jener Jahre und widerspiegelt zeitgeschichtliche Hintergründe. Eine wichtige Ergänzung zum Œuvre des Künstlers stellt seine gesamte Bibliothek mit ca. 10 000 Bänden dar, darunter seltene Widmungsexemplare und Erstausgaben.

Die Verwertungsrechte von Carlfriedrich Claus liegen bei der Stiftung Carlfriedrich Claus-Archiv der Kunstsammlungen Chemnitz und der VG Bild-Kunst, Bonn. Bei Anfragen zu den Verwertungsrechten stehen wir Ihnen gern zur Verfügung.

Die Archivnutzung ist nur nach Voranmeldung dienstags und mittwochs 10–12 Uhr und 13–18 Uhr möglich.

Kontakt: carlfriedrich-claus-archiv@stadt-chemnitz.de

Galerie

Carlfriedrich Claus-Archiv, Foto: Kunstsammlungen Chemnitz, Stiftung Carlfriedrich Claus-Archiv
Carlfriedrich Claus-Archiv
Carlfriedrich Claus-Archiv, Foto: Kunstsammlungen Chemnitz, Stiftung Carlfriedrich Claus-Archiv
Carlfriedrich Claus-Archiv
Carlfriedrich Claus im Lautprozess-Raum, 1995, Kunstsammlungen Chemnitz, Stiftung Carlfriedrich Claus-Archiv
Carlfriedrich Claus im Lautprozess-Raum, 1995
Carlfriedrich Claus (1930–1998), Gelber Text, 1959, Feder, Tusche gelb, rot, blau, 29,7 x 20,7 cm, Kunstsammlungen Chemnitz, Stiftung Carlfriedrich Claus-Archiv, Foto: Kunstsammlungen Chemnitz/László Tóth © VG Bild-Kunst, Bonn 2020
Carlfriedrich Claus (1930–1998)
Gelber Text, 1959
Carlfriedrich Claus (1930–1998), Erster versuchender doppelseitiger Schreibakt, 1961, Feder, Tusche zweiseitig auf gefalztem Seidenpapier, 20,4 x 13,2 cm, Kunstsammlungen Chemnitz, Stiftung Carlfriedrich Claus-Archiv, Foto: bpk/Kunstsammlungen Chemnitz/László Tóth © VG Bild-Kunst, Bonn 2020
Carlfriedrich Claus (1930–1998)
Erster versuchender doppelseitiger Schreibakt, 1961