Expressionismus und Neue Sachlichkeit

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Otto Dix, Rothaarige Frau (Damenporträt), 1931

Otto Dix (1891–1969)

Rothaarige Frau (Damenporträt), 1931

Der Erste Weltkrieg und seine Auswirkungen veränderte das Sehen des Malers Otto Dix. Er entwickelte einen eigenen kritischen Realismus, der altmeisterliche Technik mit beißender Gesellschaftskritik verbindet. So wurde er zu einem der bedeutendsten Protagonisten der Neuen Sachlichkeit. Den inhaltlichen Schwerpunkt seiner Werke fand er in den Themen der Großstadt und der Halbwelt. Hier spiegeln sich auf prägnante Weise Glanz und Elend der Zwanziger Jahre. Diesen Widerspruch verbildlicht die Dargestellte mit ihrem Pailletten besetzten Kleid, dem blassen Gesicht und dem ausgezerrten und mageren Körper.

 

Ernst Ludwig Kirchner, Chemnitzer Fabriken, 1926

Ernst Ludwig Kirchner (1880–1938)

Chemnitzer Fabriken, 1926

Kirchner richtet 1926 den Blick auf die Innenstadt von Chemnitz, über die großen Fabrikanlagen der Sächsischen Maschinenfabrik (vormals Richard Hartmann AG.) und Germania (vormals J.S. Schwalbe und Sohn) zu den Türmen des Rathauses. Im Bildmittelpunkt erscheint die Kuppel der 1891 eröffneten zentralen Markthalle der Stadt. Der Maler vereint die Gebäude von Rathaus, Fabriken, Kirchen und der Handwerksschule in einen eng gewählten Ausschnitt. Kirchner wohnte von 1890 bis 1901 in Chemnitz und besuchte hier das Gymnasium, wie die ebenfalls in Chemnitz aufgewachsenen Künstler Karl Schmidt-Rottluff und Erich Heckel.

 

           

           

Józef Rosner (1892–1971)

Porträts der Mitglieder der Künstlergruppe Chemnitz, 1929

Georg Gelbke

Martha Schrag

Rudolf Pleissner

Bernhard P. Mehnert

Bruno Ziegler

Gustav Schaffer

Heinrich Brenner

Alfred Kunze

Der polnische Fotograf Józef Rosner wurde 1892 in Cieszyn als Sohn eines jüdischen Vaters und einer deutschen Mutter geboren. Nach einer Lehre bei dem Hoffotografen Karl Pitzner in Wien ging er 1910 nach Deutschland und eröffnete 1925 in Chemnitz ein eigenes Fotostudie. Besonders auf dem Gebiet der Porträtfotografie war er anerkannt und auf Fotoausstellungen in und außerhalb Deutschlands vertreten. Aufgrund der Diskriminierung durch die Nationalsozialisten verließ Rosner 1936 Chemnitz und ließ sich in Krakau nieder.

Die acht Porträts der Mitglieder der Künstlergruppe Chemnitz gehören zum alten Bestand der Kunsthütte. Die Fotografien vermitteln in ihrer Klarheit und formalen Zurückhaltung ein authentisch wirkendes Bild der Dargestellten.

 

Gustav Schaffer (1881–1937)              

Selbstbildnis, 1926

In klaren Formen stellt sich der Künstler im Malkittel selbst dar. Diesen Malstil wird man später „Neue Sachlichkeit“ nennen. Vor der Restaurierung haben Schmutzablagerungen, ein vergilbter Firnis und Übermalungen das Erscheinungsbild stark beeinträchtigt. Ein Schmuckrahmen fehlte auch. Eine vorsichtige Oberflächenreinigung, Abnahme der vergilbten Firnisschicht und der Übermalungen brachten die originale Farbschicht hervor. Fehlstellen wurden retuschiert.

Der fehlende Schmuckrahmen wurde durch eine Neuanfertigung ergänzt. Als Vorbild dienten originale Rahmen von anderen Gemälden des Künstlers.

Detlef Göschel, Gemälderestaurator

 

Karl Schmidt-Rottluff, Mädchen, 1920

Karl Schmidt-Rottluff (1884–1976)                     

Mädchen, 1920

Ein mehr als ungewöhnliches Portrait, zugleich ein durch und durch farbmalerisches Experiment in den Grundfarben. Diese sind zudem in Komplementärkontrasten eingesetzt. Dabei wird die Figur nicht durch die annähernd reinbunten Umgebungsfarben eingefangen, sondern verschmilzt mit ihnen. Versunkenen Blicks sitzt ein junges Mädchen, die Hände auf die Knie gelegt, als würden diese etwas bergen. Zahlreiche Portraits entstehen in dem ersten Friedensjahr nach dem 1. Weltkrieg, ein Moment künstlerischer Selbstreflexion bei Schmidt-Rottluff. 1919 heiratete er Emy Frisch, doch könnte auch die Schwester Gertrud Modell (Vgl. „Der Besuch“) gestanden haben. Ein im Stil vergleichbares Pendant findet sich in der ‚Galerie der Moderne‘: der „Junge Mann mit Pfeife“.

 

Karl Schmidt-Rottluff (1884–1976)

Am Belasee, 1932

Der Künstler verließ jedes Jahr im Sommer für mehrere Monate seinen Berliner Wohnsitz, um an der Küste Ruhe, Erholung und Inspiration zu finden. Ab 1932 bis 1943 verbrachte das Ehepaar Schmidt-Rottluff seine Sommeraufenthalte in Rumbke am Lebasee an der Ostseeküste Hinterpommerns. Schmidt-Rottluff zeigt eine scheinbar unberührte Landschaft, die von den Farben des Wassers, des Horizontes, der einfachen Fischerboote, Reusenstangen und dem am Ufer wachsenden Schilf bestimmt wird. Auf der Rückseite des Bildes hat der Maler den Titel Am Belasee festgehalten und dabei, bewusst oder aus Versehen, durch Tausch der Konsonanten aus dem Lebasee einen Belasee gemacht.