5 February 2026, 18:30 Uhr | Carlfriedrich Claus | Kunstsammlungen am Theaterplatz

Konzert und Vortrag: Sprachklangabend – das Davor der Artikulationen im hör- (und sichtbaren) Danach

Die Soundinstallation Lautprozessraum (1995) von Carlfriedrich Claus, die für die Ausstellung Carlfriedrich Claus. Am Rand des Jetzt am Rand des Hier (27.11.2025 – 1.3.2026) rekonstruiert wurde, ist der Ausgangpunkt für eine Hommage und Begegnung der besonderen Art. Anlässlich der Ausstellung veranstalten die Kunstsammlungen Chemnitz in Kooperation mit der TU Chemnitz einen Sprachklangabend mit Performances von Ellen Fricke, Anna Clementi und Natalia Pschenitschnikova, die das Werk des Annaberger Soundpoeten sowie des österreichischen Komponisten Peter Ablinger reflektieren.

Eintritt: 6 Euro, Studierende der TU Chemnitz haben freien Eintritt.

>> Das Progamm zum Download

Carlfriedrich Claus und Peter Ablinger sind sich persönlich nie begegnet. Und doch lassen sich in ihren Arbeiten markante Korrespondenzen und zugleich komplementäre Zugänge zum Hören, zur Sprache und zu ihren Grenzbereichen erkennen. Sie teilen ein gemeinsames Interesse an (vor-)sprachlichen Prozessen, an Wahrnehmung und an der Reflexion des Hörens selbst. Während Claus und Ablinger sich im Davor der individuellen sprachlichen Artikulation bewegen oder wie Ablinger das Hörbare erst komponieren, rückt Ellen Fricke den Fokus darauf, wie die abstrakte Sprache im Sprechen zu hören ist. Die Arbeiten von Carlfriedrich Claus, Peter Ablinger und Ellen Fricke verbindet ein Denken in Schichtungen. Bei Carlfriedrich Claus entstehen Schichtungen aus der Rückkopplung von Lauterzeugung, Körperwahrnehmung, Hören und visueller Notation. In ihrer Hommage an Carlfriedrich Claus führt Natalia Pschenitschnikova diesen Ansatz mit Live-Elektronik virtuos fort. Peter Ablinger formuliert Schichtung als musikalisches Prinzip der Gleichzeitigkeit, in dem Verdichtung und Redundanz zu Rauschen führen. In Ellen Frickes Serie Soundscapes of Europe: Babel 1–n werden Schichtungen durch die Überlagerung von menschlich und KI-basiert generierten Sprachen erzeugt, sodass abstrakte Sprachsysteme und europäische Sprachfamilien als spezifisch „farbiges“ Rauschen hörbar werden.

Dieses Konzert mit Einführungsvortrag ist eine vorgezogene Auftaktveranstaltung des Konzertsymposiums Schichtungen: Chemnitz, Berlin, Wien. In memoriam Peter Ablinger (1959–2025), das für Ende Mai 2026 als gemeinsame Veranstaltung von TU Chemnitz und Kunstsammlungen am Theaterplatz geplant ist.

 

Programm

Einführung von Prof. Dr. Ellen Fricke: Sprachschichtungen: Carfriedrich Claus und Peter Ablinger

TEIL I: Sprechen im Davor der Artikulation

Natalia Pschenitschnikova: Partitur. Widmung an Carlfriedrich Claus. Für Stimme solo und Elektronik (2026) Uraufführung.

Peter Ablinger: WEISS / WEISSLICH 15, A-E-I-O-U Vokalstück (2012) für eine oder mehrere Stimmen (Realisierung Natalia Pschenitschnikova), mit Anna Clementi und Natalia Pschenitschnikova In memoriam Peter Ablinger (1958–2025).

TEIL II: Die Sprache im Sprechen hören

Ellen Fricke: Soundscapes of Europe: Babel 5 für drei Sprecherinnen und KI-Chor (2025) Uraufführung, mit Anna Clementi, Natalia Pschenitschnikova und Ellen Fricke. Mit einer Einführung in die Babelmanufaktur, www.babelmanufaktur.org.

Gefördert von der Fritz Thyssen Stiftung und der Technischen Universität Chemnitz. In Kooperation mit dem Zentrum für Mensch und Technik (MeTech).

Anna Clementi

ist Performerin und Stimmakrobatin. Durch ihre Fähigkeit, Sprache(n), Gesang, Tanz und Schauspiel zu verbinden, gilt Clementi als bedeutende Interpretin zeitgenössischer Kompositionen. Mit ihren Auftritten bei Festivals, in Theater und Oper hat sie zahlreiche Stücke uraufgeführt. Ihr Repertoire bewegt sich zwischen experimenteller Musik, Elektronik, Pop, Jazz, Chanson, Freie Improvisation usw. Sie arbeitete u.a. mit den KomponistInnen Martin Daske, Fast Forward, Jürgen Grözinger, Michael Hirsch, Rupert Huber, Christian Kesten, Olga Neuwirth, Phill Niblock, Iris ter Schiphorst, Dieter Schnebel, Laurie Schwartz, Elliott Sharp. www.annaclementi.com

Natalia Pschenitschnikova

Natalia Pschenitschnikova (geb. in Moskau, lebt in Berlin) ist eine vielseitige Musikerin und Künstlerin. Neben ihrer Solisten- und Kammermusiktätigkeit arbeitet sie als Performerin, Кomponistin, Sängerin und Flötistin in verschiedenen Theater- und Tanzprojekten. Schwerpunkte ihrer experimentellen Praxis sind die Korrelation von Klang und Raum, die Ökologie des Klangs und die energetischen Eigenschaften von Klang und Stimme. Ihre Aufführungen überschreiten oft die Grenzen zwischen Musik, Theater und bildender Kunst und schaffen immersive und multisensorische Erfahrungen. www.natalia-pschenitschnikova.com

Ellen Fricke

Seit 2012 Professorin für Germanistische Sprachwissenschaft, Semiotik und Multimodale Kommunikation an der TU Chemnitz. 1988 bis 2002 Sprecherin und Sängerin im Ensemble Zwischentöne unter der Leitung von Peter Ablinger (u.a. gemeinsam mit Natalia Pschenitschnikova); mit dem Ensemble zahlreiche Uraufführungen von Werken zeitgenössischer Komponisten wie Alvin Lucier, Christian Wolff, Peter Ablinger, Walter Zimmermann, Klaus Lang, Benedict Mason, Georg Nussbaumer. Auftritte auch in anderen Formationen und als Soloperformerin, Autorin von Radio- und Sprachkompositionen. 2002 Konzeption und Realisierung der Konzertreihe „Physiognomien des Lautens“ in Berlin. www.ellenfricke.de

In Kooperation mit

 

 

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