Umwelt- und Klimaproteste früher und jetzt (Gespräch und Diskussion)
Mit Manfred Hastedt, Doro Sterz, Hans Hiersemann und Matthias Döhler
Am Neumühlenwehr wurde einst Wasser für Mühlen gestaut. 1990 fand dort ein Protest statt, der auf die verheerende Situation des Flusses Chemnitz hinweisen sollte. „Der Chemnitzfluss soll wieder leben“ hatten Aktivist:innen auf ein Banner geschrieben, das sie entlang des Wehrs aufspannten. Gleichzeitig angelten sie mit Gasmasken auf dem Kopf im biologisch toten Fluss. Im Rahmen der Kunstausstellung NEW ECOLOGIES Gegenwarten II hat Begehungen e. V. diese Aktion nach 34 Jahren nachgestellt und fragt damit nach dem heutigen und damaligen Zustand von Klimaaktivismus.
Die Umweltgruppen der DDR, oft im Umfeld von Kirchen organisiert, verlegten selbstorganisiert Texte und engagierten sich anlässlich bedrohter Arten wie Igel, sterbenden Wäldern wie im Erzgebirge, ungeschützten freien Müllhalden oder von Industrie verschmutzter Luft wie in Karl-Marx-Stadt. Von der Staatssicherheit wurden sie dafür beobachtet und mit Repressionen bedacht. In den 1990er und Nullerjahren kamen Umwelt- und Naturschutzgruppen wie Greenpeace, NABU und BUND im gesellschaftlichen Konsens an. Eine neue Generation wie die Fridays-for-Future-Bewegung wurde zunächst ähnlich offen begegnet. Als ein Handeln gegen die Klimakrise dringlicher und die Proteste demzufolge schmerzhafter wurden, kippte die Stimmung und Gruppen wie die Letzte Generation wurden als „Klimakleber“ angefeindet. Mit den sogenannten Bauernprotesten meldete sich mit Landwirt:innen eine weitere, ökologisch ungemein relevante, Gruppe zu Wort. Ihre Proteste wurden jedoch schnell von rechtsradikaler Seite vereinnahmt.
Anlässlich des Kunstwerks „Der Chemnitzfluss soll wieder leben – 1990 re-enacted“ von Begehungen e.V. möchten wir über die Veränderung von Umweltprotesten und Klimaaktivismus in (Ost-)Deutschland sprechen und fragen, was es damals wie heute bedarf, um Veränderung zu ermöglichen. Dazu kommen Vertreter:innen unterschiedlicher Gruppen und Generationen zusammen.
Manfred Hastedt war in der DDR im Umfeld der kirchlichen Umwelt- und Friedensbewegung aktiv und beschäftigte sich insbesondere mit Artensterben, Luftverschmutzung und Waldsterben. Von 1990-2021 leitete er das Umweltzentrum Chemnitz, das einzige seiner Art in Sachsen, im ehemaligen Sitz der Staatssicherheit in der Henriettestrasse. Derzeit organisiert und dokumentiert er die Rolle der Umweltbewegung in der DDR und ist in der Lokalen Agenda 21 aktiv
Dorothee Sterz, 27 gelernte Landwirtin, arbeitet im Milchviehbereich auf einem Gemischtbetrieb in Mittelsachsen. Sie engagiert sich bei der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft und setzt sich für Weidehaltung und eine strukturreiche Landschaft ein.
Hans Hiersemann ist aktiv bei der Letzten Generation Chemnitz.
Matthias Döhler ist Freier Architekt in Chemnitz und Vereinsvorstand des Begehungen e.V.. Das gleichnamige Kunstfestival findet jährlich in besonderen und übersehenen Orten in und Chemnitz statt.
Die Veranstaltung findet auf der Terasse des Restaurant Malula in der Georgstraße 21 statt. Bei Schlechtwetter verlegen wir sie in den Projektraum Hot Super am Brühl 71
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