Im letzten Jahr hat die Gestalterin Ursula Klapper der Textil- und Kunstgewerbesammlung der Kunstsammlungen Chemnitz ein umfangreiches Konvolut ihrer Textilien und Entwurfszeichnungen geschenkt. Damit ist ihr Werk nun, neben dem Grassi Museum für Angewandte Kunst in Leipzig, auch in Chemnitz mit herausragenden Stücken vertreten. Ursula Klappers Œuvre verbindet klare, industrietaugliche Gestaltung mit einer unverwechselbaren künstlerischen Handschrift und zeigt, wie sie trotz der Einschränkungen der DDR-Planwirtschaft innovative, ästhetisch anspruchsvolle Textilien und Tapeten schuf. Ihre Entwürfe zeichnen sich durch spielerische Formen, präzise Naturstudien und eine große Sensibilität für Material und Technik aus. Anlässlich ihres 90. Geburtstag machen wir einen Teil der Schenkung in unserer Onlinesammlung zugänglich. Isabella Hofmann stellt die Künstlerin und ihre Werke vor.
Studienzeit und erste Anstellung
Ursula Klapper wurde 1935 in Dresden geboren. 1955 begann sie ihr Studium an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst in Berlin-Weißensee wo sie 1960 in der Fachklasse für Textil bei Werner Michael mit dem Textilentwurf Brücken ihr Diplom abschloss (Abb. 1-2). Bereits dieses Design ging bei Lieder und Fischer, Weberei für Gardinen, Dekorations- und Druckstoffe in Zwickau, in Produktion. Es handelt sich um ein fröhliches Muster mit Bauklötzchen-Formen, ideal für die Ausstattung eines Kinderzimmers. Der Einfluss des zeitgenössischen skandinavischen Designs ist dabei deutlich erkennbar. Vor allem Klappers frühe Entwürfe zeichnen sich durch eine besonders verspielte Formensprache aus. So entwickelte sie 1957 während ihres Studiums ein Design aus reduzierten Obst- und Gemüseformen, das sie in mehreren Farbvarianten in der hochschuleigenen Versuchsdruckerei im Siebdruckverfahren selbst herstellte. Der daraus entstandene Druckstoff Obst und Gemüse eignet sich hervorragend für Küchenschürzen oder Geschirrtücher (Abb. 3-5).


Abb. 1-2: Ursula Klapper, Lieder und Fischer, Weberei für Gardinen, Dekorations- und Druckstoffe Zwickau, Dekorationsstoff Brücken (Probedruck), 1960, Druckstoff, Viskose, Kunstsammlungen Chemnitz, Inv.-Nr. TX55, TX56.



Abb. 3-5: Ursula Klapper, Kunsthochschuleigene Versuchsdruckerei Berlin-Weißensee, Kleiderstoff Obst und Gemüse, 1957, Siebdruck, Baumwolle, Kunstsammlungen Chemnitz, Inv.-Nr. TX11, TX12, TX17.
Nach Abschluss ihres Studiums wurde Ursula Klapper von der Hochschule eine Stelle als Druckstoffentwerferin im Zentralen Musterbüro der VVB Baumwolle in Lengenfeld/Vogtland vermittelt, wo sie von 1961 bis 1962 arbeitete. Der Einfluss ihrer Studienzeit ist hier noch klar erkennbar. Der Druckstoff Tomaten und Zwiebeln, der als Schürzenstoff in Produktion ging, erinnert deutlich an ihre Hochschulversuche (Abb.6). Zahlreiche Kinderstoffe mit stilisierten Früchten, Blumen oder Schmetterlingen zeugen von einer ausgeprägten Freude an Motiven aus dem Alltagsleben (Abb.7). Es folgte von 1962 bis 1963 eine Anstellung als wissenschaftliche Zeichnerin am Institut für Vor- und Frühgeschichte der Akademie der Wissenschaften der DDR zu Berlin.


Abb. 6 (links): Ursula Klapper, VEB Oberlausitzer Textilveredelungsbetriebe, Werk Löbau, Schürzenstoff Tomaten und Zwiebeln, 1961, Druckstoff, Baumwolle, Kunstsammlungen Chemnitz, Inv.-Nr. TX26.
Abb. 7 (rechts): Ursula Klapper, VEB Oberlausitzer Textilveredelungsbetriebe, Werk Löbau, Kinderstoff Obst, 1961, Pigmentdruck, Viskose, Kunstsammlungen Chemnitz, Inv.-Nr. TX29.
Druckstoffentwerferin am Modeinstitut der DDR
Zwischen 1963 und 1972 war Ursula Klapper als Druckstoffentwerferin und Fachgebietsleiterin für Damenoberbekleidung am Modeinstitut der DDR tätig. Dieses war dem Ministerium für Leichtindustrie unterstellt und sollte »die Gestaltung einer fortschrittlichen, der gesellschaftlichen Entwicklung entsprechenden und an das nationale Kulturerbe anknüpfende Bekleidungskultur«[i] fördern. Das Modeinstitut beschäftigte sowohl Musterentwerfer:innen als auch Modedesigner:innen. Beide waren jedoch durch die Plan- und Mangelwirtschaft der DDR in ihrem kreativen Schaffen eingeschränkt. Musterzeichner:innen waren limitiert auf verfügbare Farben und Materialien. Nicht selten kam es vor, dass ein Entwurf in anderen Farbstellungen produziert wurde als von den Entwerfer:innen vorgesehen. Auch die Designs der Modezeichner:innen wurden entsprechend angepasst, beispielsweise indem nur drei statt fünf Knöpfe Verwendung fanden. Aufgabe des Modeinstitut war es vor allem aktuelle Tendenzen in der Mode aufzuzeigen bzw. vorzugeben. Zentrales Organ war die Modezeitschrift Sibylle, die ab 1956 erschien und deren Chefredaktion 1958 von der Journalistin Margot Pfannstiel übernommen wurde.[ii] Die Zeitschrift sollte ein optimistisches Bild der berufstätigen und emanzipierten Frau vermitteln und der Inhalt praktisch und lebensnah sein.[iii] Auf gar keinen Fall sollten Bedürfnisse geweckt werden, die nicht befriedigt werden konnten – zum Beispiel durch Mode und Accessoires aus dem Westen.[iv] Dennoch war die abgebildete Kleidung im Handel meist nicht erhältlich, stattdessen lagen der Zeitschrift Schnittmuster bei, um die Wunschkleider nachschneidern zu können. Die Auflage von 200.000 bis 250.000 Stück reichte jedoch bei weitem nicht aus um der hohen Nachfrage gerecht zu werden. Das Magazin wurde daher gerne unter Freund:innen und Kolleg:innen weitergereicht.[v]
Als Druckstoffentwerferin am Modeinstitut war es Ursula Klappers Aufgabe zweimal jährlich, im Frühjahr und im Herbst, eine Druckstoffkollektion zu entwerfen, die anschließend geladenen Industrieentwerfer:innen vorgestellt und diskutiert wurde. Ursula Klapper verstand es ihre Entwürfe den Möglichkeiten der DDR-Planwirtschaft anzupassen: ihre industrietauglichen, rapportierten Designs wurden zu 90 bis 100 Prozent von den Druckbetrieben übernommen sowie produziert und konnten so in die laufenden Kollektionen einbezogen werden. 1966 erhielt Ursula Klapper die »Medaille für ausgezeichnete Leistungen« des Modeinstituts der DDR. Für Ihre Entwürfe griff sie auf vielfältige Inspirationsquellen zurück, neben Motiven aus der Natur, orientierte sich die Gestalterin auch an asiatischen Motiven sowie an historischen Vorbildern. Für ihren Druckstoff Große blaue Blumen (Abb. 8) knüpft sie an die ursprüngliche Idee der Chemnitzer Textilsammlung an, die 1898 als Vorbildersammlung für ansässige Musterentwerfer:innen gegründet wurde: Der Entwurf entstand in den 1960er Jahren nach einem Besuch der Sammlung, wo sie der von Felice Rix-Ueno 1929 für die Wiener Werkstätte geschaffene Druckstoff Mohn zu einer eigenen Interpretation anregte (Abb. 9). Später fand Große blaue Blumen in einem kurzen Hemdblusenkleid mit Kragen und großen aufgesetzten Taschen, kombiniert mit einem Gürtel, Verwendung – gestaltet im Modeinstitut der DDR ganz im Stil der späten 1960er und frühen 1970er Jahre (Abb. 10).

Abb. 8 (links oben): Ursula Klapper, VEB Oberlausitzer Textilveredelungsbetriebe, Werk Löbau, Kleiderstoff Große blaue Blumen, 1969, Baumwoll-Pikee, Kunstsammlungen Chemnitz, Inv.-Nr. TX31.
Abb. 9 (links unten): Felice Rix-Ueno, Gustav Ziegler (Hersteller) für die Wiener Werkstätte, Druckstoff Mohn, 1929, Modeldruck, Seide, Kunstsammlungen Chemnitz, Inv.-Nr. XVII/9109.
Abb. 10 (rechts): Modefotografie des Modeinstituts, Archiv Ursula Klapper.
Ursula Klappers Stoffe wurden oftmals in den Modefotografien der Zeitschrift Sybille abgelichtet und konnten im Handel sowohl als Meterware zum Nachschneidern der Kleider, als auch in einfacheren Kleidermodellen im Versandhaus KONSUMENT erworben werden. Bei dem Material der Stoffe handelte es sich meist um Kettengewirke aus synthetischem Polyamid. Qualitativ höherwertige Textilien aus Baumwolle waren in der Regel für den Export gedacht, in den DDR-Handel kam oftmals nur B- oder Ausschussware. Die Textilien, die Ursula Klapper als Schenkung in unsere Sammlung gab, bekam sie nicht etwa als »Belegexemplare« zur Verfügung gestellt. Sie erhielt lediglich das Vorrecht, die Stoffe direkt bei den herstellenden Betrieben zu erwerben.
Druckstoffentwerferin für den VEB Plauener Gardine
Von 1972 bis 1978 entwarf Ursula Klapper Druckstoffe für den VEB Plauener Gardine. Entwerfer:innen waren aufgefordert jeden Monat vier Entwürfe im Betrieb abzuliefern – ein hohes Arbeitspensum, für das es allerdings nur selten Feedback gab.
Im Jahr 1974 veranstaltete die städtische Textil- und Kunstgewerbesammlung Karl-Marx-Stadt gemeinsam mit dem VVB Deko Plauen (zu dem auch der VEB Plauener Gardine gehörte) anlässlich des 25. Jahrestages der Gründung der DDR eine Ausstellung zu »Raumtextilien«. Diese Ausstellung sollte die Qualität und den Fortschritt der Textilproduktion in der DDR aufzeigen.
»Anliegen der Ausstellung ist es, in einer Leistungsschau zu zeigen, welche technische und künstlerische Entwicklung die Raumtextilienindustrie genommen hat, welche neuen Materialien zum Einsatz kommen und welche neuen Technologien zu hochproduktiven Leistungen führten.«[vi] (Herr Fröhlich, Leiter der Textil- und Kunstgewerbesammlung, 1974


Abb. 11 (links): Ursula Klapper, VEB Plauener Gardine, Dekorationsstoff mit Chrysanthemen, vor 1974, Druckstoff, Kunstsammlungen Chemnitz, Inv.-Nr. XIV/11302.
Abb. 12 (rechts): Ausstellungsansicht, Raumtextilien – VVB Deko Plauen 1974, Städtische Kunstsammlungen Karl-Marx-Stadt.
Gezeigt wurde auch ein Textilentwurf mit Chrysanthemen von Ursula Klapper – allerdings ohne den Namen der Gestalterin zu erwähnen –, der im Anschluss als Schenkung in den Bestand der Textil- und Kunstgewerbesammlung überging (Abb. 11-12). Es war normal, dass Designer:innen weder namentlich genannt, noch darüber informiert wurden, dass ein Textil in einer Ausstellung gezeigt wird. Dies hat zur Folge, dass bei vielen Textilien aus der DDR-Zeit in unseren Beständen die Entwerfer:innen heute unbekannt sind. Erst durch die Schenkung, die unter anderem eine Entwurfszeichnung des Chrysanthemenmusters enthält, konnten wir einige der damals ausgestellten Textilien Ursula Klapper zuordnen. Ebenso erhielten Gestalter:innen oftmals keine Rückmeldung, ob ein Entwurf in Produktion ging oder nicht. Dazu gehört zum Beispiel der Textilentwurf Großer Blumen- und Blattstrauß von Ursula Klapper, der sich seit 1978 in unserer Sammlung befindet (Abb. 13-14). Bis vor Kurzem hatte die Designerin keine Kenntnis, dass dieser in drei verschiedenen Farbstellungen produziert worden war. Sie schrieb uns:
„Ich habe nicht gewusst, dass mein großer Blumen- und Blattstrauß gedruckt wurde. Auf die Kolorits hatte ich keinen Einfluss. Beide Entwürfe müssten 1972/73 entstanden sein, denn es dauerte – nach meinen Erfahrungen – zwei oder drei Jahre vom bedruckten Stoff bis zum Angebot im Handel oder zur Veröffentlichung in Zeitschriften. Von mir waren die gestreuten Blümchen außerhalb des Straußes nicht vorgesehen, die auf dem fertigen Druckstoff zu sehen sind.“[vii] (Ursula Klapper, 2025)
Der Entwurf vereint zahlreiche Naturstudien, darunter Kastanienblätter, Sonnenblumen und Lilien, die Ursula Klapper in den 1960er und 1970er Jahren anfertigte.


Abb. 13-14: Ursula Klapper, VEB Falkensteiner Gardinen- & Spitzenweberei, VEB Plauener Gardine, Dekorationsstoff Großer Blumen- und Blattstrauß, 1972-1978, Zellwolle oder Baumwolle, Leinwandbindung, Druckstoff, Kunstsammlungen Chemnitz, Inv.-Nr. XIV/11336.
Die Ausstellungen zeitgenössischer Raumtextilien, die in den 1960er und 1970er Jahren mehrfach in den Städtischen Kunstsammlungen stattfanden, waren nicht nur als museale Präsentation gedacht, sondern sollten zur »Geschmacksbildung«[viii] der Bevölkerung beitragen und dienten gleichzeitig als Werbefläche für die Betriebe. Der Bedarf der Bürger:innen an dekorativen Textilien konnte jedoch bei Weitem nicht gedeckt werden, wie ein Zeitungsbericht aus dem Jahr 1964 kritisch anmerkte.[ix] Auch hier waren große Teile der Produktion für den Export bestimmt, nicht jedes Muster war daher im Handel erhältlich. Insofern blieben die meisten Textilien für die Besucher:innen doch reine Ausstellungsobjekte.
»In dieser Ausstellung nun sollen einmal die tatsächlichen Leistungen unserer Industrie vorgestellt werden, […]. Denn die Industrie bietet wirklich ausgezeichnete Stoffe, sowohl in der Farbe, als auch in der Wahl der Muster, nur sind sie kaum im Handel zu finden.«[x] (Bericht in der Zeitung Die Union über die Ausstellung »Raumtextilien – gut gestaltet«, 1964, 10.07.1964)
Gestaltung für die Wand
Ab 1979 gestaltete Ursula Klapper auch Textiltapeten, zunächst für den VEB Tapetenfabrik Coswig. Im Jahr 1982 wollte der VEB Plauener Spitze, der sich bisher auf die Anfertigung von Tüllen, Spitzen und Gardinen aus synthetischen Seiden auf Kettenwirkmaschinen fokussiert hatte, in die Produktion von Wanddekoration einsteigen. Zu diesem Zweck wechselte Ursula Klapper als Entwerferin von der Tapetenfabrik Coswig zum Werk des VEB Plauener Spitze in Dresden. Ursula Klapper entwarf dort unter anderem die Textiltapetenkollektion Klassik, die mit aufkaschierten Fäden auf Papier gestaltet war. Auch hier richtete sie sich stets nach den verfügbaren Möglichkeiten und verstand die Begrenzungen als kreative Herausforderung. So entstanden aus dem Mangel nachhaltige Ideen zur Verarbeitung von Sekundärrohstoffen wie Baumwollabfällen oder Recyclingpapier. Kleinere Verschmutzungen in den Fäden machte sich die Designerin als dekorativen Effekt zunutze. Die Planwirtschaft gestaltete es jedoch schwierig bestimmte Materialien einkaufen zu können. So hätte Ursula Klapper für die Produktion ihrer Tapetenkollektion einige wenige Kilo eines Garnes benötigt, diese geringe Menge konnte jedoch nicht in den Fünfjahresplan aufgenommen werden und für eine ganze Tonne hatte der Betrieb keine Verwendung. Trotz der Mangelwirtschaft war die Idee, nachhaltig zu produzieren, zum damaligen Zeitpunkt in der DDR noch neu. Die westdeutsche Firma Rasch, die als Abnehmer der Kollektion in Frage kam, lehnte Ursula Klappers Vorschlag zur Nutzung eines Recyclingpapieres für die Textiltapeten auf Grund der braunen Rückseite ab. Nur unter großer Anstrengung gelang es dem Dresdner Betrieb, weißes Grundpapier für die Produktion anzuschaffen. Ursula Klapper erhielt für ihre Textiltapetenkollektionen Klassik (1984) (Abb. 15-16) und Dresden (1988) die staatliche Auszeichnung »Gutes Design«, die ab 1978 zweimal jährlich anlässlich der Leipziger Messe durch das Amt für industrielle Formgestaltung vergeben wurde. Der VEB Plauener Spitze wurde mit seinen Tapeten konkurrenzfähig und exportierte diese unter der falschen Deklaration »Made in Western Germany« in den Westen. Nur Exportüberhänge und zweite Wahl wurden in die DDR und ins sozialistische Ausland verkauft. Der Hauptgrund für die Herstellung der Textiltapeten war die Erwirtschaftung von Devisen, an denen es in der DDR mangelte. Die Textiltapetenkollektionen von Ursula Klapper wurden bei der Firma Rasch schließlich zu Bestsellern. Der Erfolgszug der Wanddekoration endete, als 1989 ein neuer Generaldirektor an die Spitze des VEB Plauener Gardine trat und die Produktion der »sortimentsfremden« Tapeten einstellen ließ. Der Betrieb sollte sich wieder auf die Herstellung der Plauener Spitzengardine fokussieren und die Maschine zur Fadenkaschierung wanderte gemeinsam mit Ursula Klapper in den VEB Papierfabriken Heidenau.[xi]
Abb. 15-16: Ursula Klapper, VEB Plauener Spitze, Werk Dresden, Textiltapetenkollektion Klassik (9 Dessins), 1984, Viskosefasern, Reißfasern, Baumwollabfälle, Fadenkaschierung auf Papier, Kunstsammlungen Chemnitz, Inv.-Nr. TA6.
Doch diese Karriere war nicht mehr von langer Dauer: Als am 9. November 1989 die Mauer fiel, war die Euphorie groß und viele sahen in der lang ersehnten Wiedervereinigung die Erfüllung eines Traums – doch mit der folgenden Währungsunion am 1. Juli 1990 war das Schicksal zahlreicher Volkseigener Betriebe besiegelt: Sie konnten der Flut westdeutscher Produkte und dem technologischen Vorsprung nicht standhalten, die veralteten Maschinen taten ihr Übriges. Hunderttausende Arbeitnehmer:innen verloren ihre Arbeitsplätze – darunter auch Ursula Klapper. Ihr großer Wunsch, nach Modestoffen, Raumtextilien und Tapeten auch noch Bodenbeläge und Teppiche entwerfen zu dürfen, sollte nicht mehr in Erfüllung gehen. Bis zum Beginn ihrer Rente im Jahr 1995 arbeitete sie daher in der Kunstgalerie Eylau in Berlin.
Wir wünschen Ursula Klapper alles Gute zum neunzigsten Geburtstag. Entdecken Sie nun ihre Werke in unserer digitalen Sammlung:
Link zur Digitalen Sammlung: https://collections.kunstsammlungen-chemnitz.de/#home
Beitrag als PDF zum Download
Text: Isabella Hofmann
[i] Ministerialblatt der DDR vom 6. Dezember 1952, Stadtmuseum Berlin, S. 198. zit. nach: Sabine Schmid, Sybille. Zur Modefotografie in der DDR, in: G. Jain (Hg.), kunsttexte.de, KunstDesign-Themenheft 2: Kunst und Mode, 2011, S. 5.
[ii] Sabine Schmid, Sybille. Zur Modefotografie in der DDR, in: G. Jain (Hg.), kunsttexte.de, KunstDesign-Themenheft 2: Kunst und Mode, 2011, S. 1.
[iii] Ebd.
[iv] Ebd.
[v] Blogbeitrag des DDR-Museums, Modezeitschrift »Sibylle« – die Vogue der DDR, 2017: https://www.ddr-museum.de/de/blog/archive/sibylle-die-vogue-der-ddr (abgerufen am 12.12.2025).
[vi] Archivunterlagen »Ausstellung Raumtextilien VVB Deko Plauen 1974«, Archiv der Textil- und Kunstgewerbesammlung, Kunstsammlungen Chemnitz.
[vii] Aus dem E-Mail-Verkehr mit Ursula Klapper, 2025.
[viii] Zeitungsartikel, Die Union, 19.06.1959, Neue Raumtextilien…, in: Pressespiegel, Raumtextilien [14.06.1959 – 18.07.1959], KSChA PrS2/4 Sgn. 012.
[ix] Zeitungsartikel, Die Union, 12.3.1974, Farbenprächtige Raumtextilien der VVB Deko, in: Pressespiegel, Raumtextilien [23.02.1974 – 05.05.1974], KSChA PrS2/4 Sgn. 100.
[x] Zeitungsartikel, Die Union, 10.07.1964, Raumtextilien – gut gestaltet, in. Pressespiegel, Raumtextilien gut gestaltet [1964], KSChA PrS2/4 Sgn. 022.
[xi] Video-Interview mit Ursula Klapper vom 01.10.2023 »Entwerfen für die Wand«, Stiftung Industrie und Alltagskultur, https://www.stiftung-industrie-alltagskultur.de/projekte/design-in-der-ddr/interviews/ursula-klapper/ (abgerufen am 24.10.2025).

