Sammlung Textil und Kunstgewerbe

William Morris (1834–1896), Strawberry Thief (Erdbeerdieb), 1883, Baumwolle, Modeldruck, 66,5 x 49,5 cm, Kunstsammlungen Chemnitz, Foto: Kunstsammlungen Chemnitz/Antje Neumann-Golle

Otto Eckmann (1865–1902)

Pfeilerbehang »Fünf Schwäne«, 1897

Der Pfeilerbehang »Fünf Schwäne« von Otto Eckmann zählt zu den bekanntesten textilen Werken des Jugendstils. Schon damals viel bewundert und in zahlreichen Kunstzeitschriften abgedruckt, erwarb der Chemnitzer Kunstgewerbeverein ein Exemplar während der Pariser Weltausstellung im Jahr 1900 direkt von der Kunstwebschule Scherrebek für 250 Mark. Die blau-weiß-rote Webmarke in der linken unteren Ecke symbolisiert die schleswig-holsteinische Fahne und diente der Kunstwebschule Scherrebek als Schutz vor illegaler Nachahmung. Nur lizensierte Weberinnen durften das Webzeichen verwenden. Die Wolle stammte aus eigener Schafzucht, wurde selbst gesponnen und mit Pflanzenfarben eingefärbt. Neben Otto Eckmann lieferten Hans Christiansen, Heinrich Vogeler, Walter Leistikow und Henry van de Velde Entwürfe für die Kunstwebschule. Der Chemnitzer »Schwanenteppich« wurde erstmals im September 1900 in den Ausstellungsräumen der am 15. November 1898 eröffneten Vorbildersammlung in der Waisenstrasse 2 (Eckhaus Königstrasse) präsentiert.

 

William Morris (1834–1896)

»Strawberry Thief« (Erdbeerdieb), 1883

Morris & Co., Merton Abbey, Surrey

Der Druckstoff »Strawberry Thief« (Erdbeerdieb) gehört zu den kommerziell erfolgreichsten und beliebtesten Motiven von William Morris. Zeitintensiv in der Herstellung handelt es sich um ein aufwendiges Indigo-Ätzverfahren. Das Baumwollgewebe wurde zunächst im Indigobad vollständig blau eingefärbt und im ersten Druckgang mit einer bleichenden Ätzlösung bedruckt, wodurch das Muster Weiß bzw. Hellblau stehen blieb. Für die anschließenden Druckgänge wurden Naturfarben und Holzmodeln verwendet. Hierzu wurden die zu bedruckenden Partien mit einer Beize versehen, die zur Aufnahme der Farbe diente. Das Hellgrün entstand durch Überdruck von Gelb auf Hellblau und das Orange durch Überdruck von Rot und Gelb. Die überschüssige Farbe der ungebeizten Flächen wurde schließlich im heißen Seifenbad ausgewaschen. Das gesamte Verfahren war manuell und erfolgte in Merton Abbey. Zusätzlich wurden die Stoffbahnen auf den Wiesen ausgebreitet und zum Bleichen dem Sonnenlicht ausgesetzt.

 

Carl Otto Czeschka (1878–1960)   

Druckstoff »Waldidyll«, 1910/11

Der österreichische Maler und Grafiker Carl Otto Czeschka war einer der wichtigsten Gestalter der Wiener Werkstätte. Er beteiligte sich am Gesamtkunstwerk Palais Stoclet in Brüssel und lieferte insgesamt vierzehn Muster für die Stoffabteilung der Wiener Werkstätte. Diesen Druckstoff mit dem wohlklingenden Namen »Waldidyll« entwarf er 1910/11, als er bereits an der Kunstgewerbeschule in Hamburg tätig war.

Das Motiv wurde auf Seide oder Leinen gedruckt und als Dekorations- und Kleidungsstoff verwendet. Eine historische Fotografie aus dem Jahr 1916 zeigt Gustav Klimt anlässlich eines Künstlerfestes im Hause Primavesi in einem Gewand aus diesem Stoff, der ebenfalls für eines der Gästezimmer im Haus Verwendung fand. Der Stoff wurde 1913 für die Chemnitzer Sammlung erworben.

 

Maria May (1900–1968)

Spritzstoff »Paris«, 1930

Maria May leitete von 1921 bis 1931 die Textilklasse der Schule Reimann in Berlin, eine der größten Privatschulen für Kunst und Kunstgewerbe in Deutschland. Besonders beliebt waren ihre Spritzdekorstoffe, die so genannten May-Stoffe. Die Motive wurden mithilfe von Schablonen auf das textile Gewebe gesprüht. Der Entwurf dieses Stoffes entstand während eines Studienaufenthalts in Paris und zeigt die typischen touristischen Motive der Stadt. May experimentierte ebenfalls in Zusammenarbeit mit der IG-Farben-Industrie. Sie siedelte später nach Hamburg über, wo sie die Meisterschule für Mode leitete.

 

Mariano Fortuny (1871–1949)

Druckstoff, ca. 1930

Die Stoffe von Mariano Fortuny zeichnen sich durch handwerkliche Perfektion aus. Sie durchliefen vor dem eigentlichen Druckvorgang meist einen mehrteiligen Färbeprozess unter Verwendung von Naturfarben und auch Bronze- und Aluminiumpulver. Dieser Druckstoff dekorierte die Wände des Spielsalons im Hotel Excelsior am Lido. Das Hotel wurde von Thomas Mann in der Novelle »Tod in Venedig« erwähnt und erlangte durch die Internationalen Filmfestspiele von Venedig Berühmtheit. Mariano Fortuny liebte historische Stoffe, allen voran die Stoffe der Renaissance, von denen er sich inspirieren ließ.

 

Benita Koch-Otte (1892–1976)        
Behang, 1922/1924

Staatliches Bauhaus Weimar
Benita Koch-Otte führte den Wandbehang am Weimarer Bauhaus aus. Durch partielles Färben der Kettfäden entstanden interessante Farbabstufungen des überaus raffinierten Musters. Koch-Otte ließ sich von Paul Klee inspirieren und schuf keinen erzählenden Wandbehang, sondern eine flächig-konstruktive Komposition. Zusammen mit Gunta Stölzl belegte sie 1922 einen Färbereikurs und 1924 einen so genannten Fabrikantenkurs in Krefeld. Neben Kalkulation und Patronieren stand vor allem die Bindungslehre im Blickpunkt, eine für das Umsetzen und Verstehen textiler Techniken wesentliche Voraussetzung.