Provenienzforschung

Inventarbücher der Grafischen Sammlung, 2020, Foto: Jennifer Chrost © Kunstsammlungen Chemnitz/Jennifer Chrost

In der Grafischen Sammlung der Kunstsammlungen Chemnitz wird von September 2019 bis Februar 2022 das von der Bundesregierung mitfinanzierte NS-Raubgutprojekt Provenienzforschung zu Zeichnungen, Druckgrafiken und Büchern mit Originalgrafiken der Grafischen Sammlung der Kunstsammlungen Chemnitz im Erwerbungszeitraum 1933 bis 1945 erst durch Dr. Robert Robert und anschließend durch Dr. Jennifer Chrost durchgeführt. Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste in Magdeburg fördert diese Forschungen deutschlandweit im Auftrag der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien. Dieses hatte bereits das zuvor durchgeführte Provenienzforschungsprojekt zu den Erwerbungen 1933 bis 1945 im Bereich der Malerei und Plastik durch Dr. Kai Artinger finanziert.

Grundlage für die Arbeit des Zentrums in diesem Bereich sind die 1998 international verabschiedeten Washingtoner Prinzipien, zu deren Umsetzung sich Deutschland im Sinne seiner historischen und moralischen Selbstverpflichtung mit der Gemeinsamen Erklärung der Bundesregierung, der Länder und der kommunalen Spitzenverbände zur Auffindung und zur Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgutes, insbesondere aus jüdischem Besitz, im Jahr 1999 bekannt hat.

Projektbeschreibung

Friedrich Schreiber-Weigand, der erste Direktor der Kunstsammlungen Chemnitz, wurde wenige Monate nach der nationalsozialistische Machtübernahme beurlaubt. Seine Entlassung erfolgte im Oktober 1933. Schreiber-Weigands Nachfolger richteten das Haus auf die Ideologie des Nationalsozialismus aus, entfernten die als »entartet« verfemte Kunst, erwarben dafür systemkonforme Kunst und füllten die Lücken mit deutscher Kunst der Romantik. Diese wiederum wurde auf dem Kunstmarkt, vor allem bei den in der NS- Raubgut-Forschung bekannten Händlern und Auktionshäusern, bezogen, u. a. bei C. G. Boerner (Leipzig), Gustav Gerstenberger (Chemnitz), Curt Naubert (Leipzig) und Dr. W. A. Luz (Berlin).

Ziel des Projektes ist die systematische Erforschung der Eingänge zwischen 1933 und 1945. Im Mittelpunkt stehen die in dem Zeitraum erworbenen Zeichnungen, Druckgrafiken und Bücher mit Originalgrafiken in den Beständen der Grafischen Sammlung. Im Zuge der Arbeit sollen die Rechercheergebnisse zu Kunstwerken, bei denen ein verfolgungsbedingter Entzug vorliegt oder nicht ausgeschlossen werden kann, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Im Falle eines unrechtmäßigen Erwerbs wird nach den rechtmäßigen Eigentümer:innen oder ihren Rechtsnachfolger:innen gesucht sowie eine faire und gerechte Lösung nach den Washingtoner Prinzipen angestrebt.

Nach Klärung von rechtlichen Fragen sollen die Ergebnisse publiziert und offene Provenienzen in der Lost Art-Datenbank eingestellt werden.

Ansprechpartner

Ansprechpartner im Haus ist Prof. Dr. Frédéric Bußmann (Projektleitung), frederic.bussmann@stadt-chemnitz.de. Das Forschungsprojekt zur Graphischen Sammlung wurde von Dr. Jennifer Chrost durchgeführt und ist inzwischen abgeschlossen.

 

Das Projekt wurde finanziert vom