Actualités
3 mai 2021

CFP: Konferenz MATRIX MODERNE I OSTMODERNE

Bauen, baubezogene Kunst und Formgestaltung in Ostdeutschland und dem Europa der Nachkriegszeit

Zweitägige Konferenz (Impulse, Debatten, Präsentationen) für Forscher*innen, Wissenschaftler*innen, Künstler*innen, Bürger*innen, Kulturpolitiker*innen und Aktivist*innen

Termin: 1.–2. Oktober 2021
Veranstalter: Kunstsammlungen Chemnitz
mit Unterstützung der Kulturstiftung des Freistaats Sachsen und des Kulturhauptstadtbüros Chemnitz 2025
Ort: Stadthalle Chemnitz, Kunstsammlungen Chemnitz – Kunstsammlungen am Theaterplatz

Das moderne Bauen, die baubezogene Kunst und Formgestaltung der unmittelbaren Nachkriegszeit seit den 1950er Jahren haben nach langen Perioden der Nichtbeachtung, Geringschätzung, teilweisen Zerstörung oder Unkenntlichmachung in den vergangen zehn Jahren eine wachsende Aufmerksamkeit und Aufwertung erfahren. Die MATRIX MODERNE umfasst dabei eine Vielzahl modernistischer Bewegungen, Stile und Strömungen, die von Spätmoderne, Nachkriegsmoderne, Brutalismus, Westmoderne, Postmoderne, aufgeschobener Moderne, sozialistischer Moderne, Zweite Moderne, DDR-Moderne reichen – der Begriff der Ostmoderne feiert zuletzt eine regelrechte Konjunktur.

Verantwortlich für diesen Aufmerksamkeitsschub sind auf Seiten der Wissenschaft insbesondere Architektur- und Städtebauhistoriker*innen, Kunst- und Kulturwissenschaftler*innen sowie Denkmalpfleger*innen.  Auf der anderen Seite manifestiert sich ein reges bürgerschaftliches Interesse und zivilgesellschaftliches Engagement, welches sich in lokalen, regionalen und europäischen Initiativen und auf digitalen Plattformen organisiert, Wissen geniert, Informationen publiziert und so am öffentlichen Bild und der öffentlichen Wahrnehmung der Ostmoderne mitwirkt.

Der Begriff der Ostmoderne beschreibt dabei s/ein besonderes Verhältnis gegenüber den anderen modernistischen Strömungen und fordert eine eigenständige Betrachtung für im Zuge des Neu- oder Wiederaufbaus im Osten entwickelte Architekturen, baubezogene Kunst, Formgestaltungen und Alltagsästhetiken ein. Diese eigenständige Betrachtung sollte zu einer Neu-Bewertung und Diskussion der bisherigen Maßstäbe für die Aneignung von Tendenzen der internationalen Moderne auf europäischer Ebene führen, denn: »Die DDR-Moderne ist nicht bloß an den Maßstäben des weltweiten Modernismus zu messen, sondern muss als ein eigenständiger Beitrag zur Diskussion dieser Maßstäbe verstanden werden. […] Der Vergleich mit Tendenzen aus Westeuropa zeigt, dass die moderne Architektur der SBZ/DDR für Anregungen einer experimentierfreudigen internationalen Baukultur offen war und mit eigenständigen Leistungen darauf aufbaute.« (Andreas Butter und Ulrich Hartung, Berlin)

Die internationale Konferenz möchte in Impulsvorträgen solchen theoretischen Überlegungen und wissenschaftlichen Ansätzen nachgehen und dabei insbesondere den Vergleich von DDR-Nachkriegsarchitekturen, baubezogenen Kunstwerken und Formgestaltungen mit westdeutschen und europäischen Architekturen und Formgestaltungen der Nachkriegsmoderne anregen und fördern (Session A-D). Ebenso eingeladen sind Präsentationen künstlerischer Auseinandersetzungen oder von Ergebnissen künstlerischer Forschung (Session E) zur MATRIX MODERNE I OSTMODERNE. Daneben soll ein Forum städtische, regionale wie internationale Initiativen zum Erhalt des künstlerischen und kulturellen Erbes der Ostmoderne und die Bedeutung ihrer fotografischen, dokumentarischen und archivarischen Materialsammlungen für die Bearbeitung der Ostmoderne in Wissenschaft und Forschung vorstellen (Session F).

Durch diese drei Formate gilt zu ermitteln, welche Gemeinsamkeiten die Ostmoderne mit anderen europäischen Nachkriegsmodernen verbindet und welche spezifischen Unterschiede sie auszeichnen. Wie wird in den jeweiligen europäischen Staaten und Gesellschaften der Nachkriegszeit Moderne überhaupt aufgefasst und verstanden und auf welche Weise das modernistische Begriffs- wie Formenrepertoire architektonisch, städtebaulich bzw. formalästhetisch interpretiert? An welche Traditionslinien der Vorkriegsmoderne wird angeknüpft und wie werden diese weiterentwickelt?

Wie geht die europäische Gemeinschaft heute mit dem kulturell-künstlerischen Erbe der Nachkriegsmoderne um, insbesondere im Hinblick auf sein identitätsstiftendes Potential? Auf welchen Wegen kann dieses vielfältige und vielstimmige kulturelle Erbe bewahrt und durch wen und auf welche Weise an die nachfolgenden Generationen vermittelt werden?

Vorschläge für Beiträge (Redezeit: 20 bis 30 Minuten) und Bild-Präsentationen (Abstracts in dt./englisch, max. 400 Wörter und Kurzbiographien) erbitten wir bis zum 15.6.2021 unter dem Betreff MATRIX MODERNE I OSTMODERNE an: kunstsammlungen@stadt-chemnitz.de.

Folgende Themen-Sessions sind geplant:

  1. Ostmoderne – eine andere Moderne? Reflexionen und Analysen über den Begriff Ostmoderne im Kontext der europäischen Nachkriegsmodernen: Werte, Normen, Kontexte, Traditionen und kulturelle Transfers zwischen Ost und West
  2. Bau, Raum und Stadt zwischen Sozialismus und Modernismus: Planwirtschaft und Architekturutopie, Kollektivität und Individualität, Architekturensemble und Einzelwerk, Typenbauten (hierunter kann auch die Sonderbauaufgabe des Industriebaus betrachtet werden)
  3. Baubezogene Kunst (in Theorie, Material und Form) im Kontext komplexer Stadt- und Umweltgestaltung
  4. Alltagsformen und Visuelle Kommunikation: Formgestaltungen, Schrift und Werbegrafik im Kontext von Arbeit, Wohnen, Freizeit, Sport und Verkehrs-, Raumbewegungen

Weitere Sessions werden sich der Künstlerischen Forschung (E) sowie dem Engagement und der Vermittlung (F) widmen. Geplant ist die Tagung als hybride Präsenzveranstaltung in der Stadthalle Chemnitz.

Die Kunstsammlungen Chemnitz veranstalten die zweitägige internationale Konferenz auch vor dem Hintergrund des 2019 mit Unterstützung der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen und der Stadt Chemnitz erfolgten Erwerbs der Sammlung des Gestalters Karl Clauss Dietel (*1934) und einer stärkeren programmatischen Fokussierung auf die Formgestaltung in Karl-Marx-Stadt im europäischen Kontext. Parallel wird eine Auswahl aus der Sammlung Dietel in der Ausstellung simson, diamant, erika. Formgestaltung von Karl Clauss Dietel in den Kunstsammlungen Chemnitz vom 27. Juni bis 3. Oktober 2021 präsentiert werden. Programm und Ausstellung werden gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaats Sachsen und entstehen in Kooperation mit dem Büro der Kulturhauptstadt Europa Chemnitz 2025 und C³ Chemnitzer Veranstaltungszentren GmbH. Konzipiert wurde die Tagung durch Jeannette Brabenetz und Dr. Frédéric Bußmann. Zusammen mit der in den Kunstsammlungen Chemnitz vom Carlfriedrich Claus Archiv ausgerichteten Konferenz Kunst und Welt im Übergang. Visionen und Skepsis im Jahr des Mauerbaus 1961 am 9. und 10. September 2021 versteht sich die Tagung als ein Beitrag zum Themenschwerpunkt Ostmoderne auf dem Weg zur Kulturhauptstadt Europas 2025.

>>> zum PDF: CFP_Ostmoderne-D-E

 

Organisiert durch

      

Mit Unterstützung von