Kunstsammlungen am Theaterplatz

125 Jahre Jüdische Gemeinde in Chemnitz

13.10.2010 – 12.12.2010

Address and Contact Information

Theaterplatz 1, 09111 Chemnitz
T +49 (0)371 488 4424
kunstsammlungen@stadt-chemnitz.de

Opening Hours

February to May 2026: Wed – Sun, public holidays 11 am – 6 pm
from June 2026: Tue – Sun, public holidays 11 am – 6 pm
closed 24./25./31.12.

Die Jüdische Gemeinde Chemnitz feiert am 19. November 2010 ihr 125-jähriges Bestehen.
Aus diesem Anlass findet in den Kunstsammlungen Chemnitz – Museum am Theaterplatz
vom 13. Oktober bis 12. Dezember 2010 die Ausstellung 125 Jahre Jüdische Gemeinde in
Chemnitz statt. Es werden 125 Exponate gezeigt, darunter Leihgaben aus dem Museum of
Jewish Heritage New York, dem Jüdischen Museum Berlin, der Jüdischen Gemeinde zu
Dresden und der Jüdischen Gemeinde Chemnitz, sowie von zahlreichen Privatleihgebern.

Vor über 140 Jahren hatten sich jüdische Kaufleute aus Berlin und anderen Teilen des
Königreiches Preußen entschlossen, ihren Wohnsitz nach Chemnitz zu verlegen. Es waren
vor allem äußere Umstände, so z. B. die Niederlage Sachsens im Preußisch-Deutschen
Krieg 1866 und dem darauf folgenden Beitritt zum Norddeutschen Bund, die dazu beitrugen.
Bereits 1872 kam es zu ersten Bemühungen um die Gründung einer Religionsgemeinschaft in
der Stadt. Trotz innerer Streitigkeiten und Meinungsverschiedenheiten mit den Landesbe-
hörden in Dresden gelang es den Juden dann, am 19. November 1885 im Hotel „Reichold“-
unweit des Hauptbahnhofs – die „Israelitische Religionsgemeinde zu Chemnitz“ zu gründen.
Bereits am 7. März 1899 wurde die vom Chemnitzer Architekten Wenzel Bürger entworfene
Synagoge, die bald als „Zierde des Kaßbergs“ galt, geweiht. Die stattliche, in den Stilformen
der Romanik ausgeführte Synagoge mit ihren roten Backsteinmauern und grünen Kupfer-
dächern bot über 700 Menschen Platz. Die Jüdische Gemeinde wuchs stetig, 1911 lebten
1800 Juden im Chemnitzer Gemeindebezirk. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, eilte auch
die jüdische Jugend in patriotischer Begeisterung an die Fronten. Nach Kriegsende hatte man
den Tod von 43 jüdischen Soldaten aus Chemnitz und Umgebung zu beklagen. Von Anfang
an leisteten jüdische Bürger einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung der Wirtschaft, des
Kultur- und Geistesleben sowie der Stadtentwicklung. Auch für die Kunst war ihr Engage-
ment ein Glücksfall: zahlreiche Werke wie beispielsweise Skulpturen von Karl Albiker und
Wilhelm Lehmbruck, 1127 Lithografien von Honoré Daumier oder George Mossons Gemälde
„Kaffeehaus“ bereicherten als Schenkung jüdischer Mäzene den Sammlungsbestand der
Kunstsammlungen Chemnitz. Ebenso von Bedeutung für Chemnitz war und ist die Eröffnung
des Kaufhauses „Schocken“ 1930. Mit dem Bau des zukunftsweisenden Gebäudes hatten
die Gebrüder Schocken den international renommierten Architekten Erich Mendelsohn beauf-
tragt. Es ist heute das einzige in Deutschland erhalten gebliebene Kaufhausgebäude Mendel-
sohns. Bereits 1913 hatte die Firma „H. & C. Tietz“ einen Warenhausneubau eröffnet, der
von Chemnitz als einer florierenden Metropole zeugte. Ab 1. April 1933 begann nach der
nationalsozialistischen Machtergreifung der Boykott jüdischer Geschäfte, Firmen und Arzt-
praxen. Mit den Novemberpogromen 1938, als in ganz Deutschland jüdische Gotteshäuser
brannten, begann das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte. In den Folgejahren wurden
die Juden verfolgt, vertrieben und ermordet, so auch in Chemnitz. Zwischen 1942 – 45 wurden
fast alle noch in Chemnitz wohnhaften Bürger in Vernichtungslager des Ostens oder nach
Theresienstadt deportiert. Nur wenige kehrten kurz nach dem Kriegsende am 8. Mai 1945
nach Chemnitz zurück – bis 1946 waren es etwa 60 Personen. Im Laufe der Nachkriegsjahre
erhielt die jüdische Gemeinde ihren Friedhof zurück, es wurden Bet- und Versammlungsräume
zur Verfügung gestellt. Ein neues Gemeindehaus wurde 1961 am Rande des Kapellenbergs
geweiht. Hatte anfangs die Politik der UdSSR und der neuen Volksdemokratien durchaus
antijüdische Züge, normalisierte sich bis in die 80er Jahre in der DDR – nicht zuletzt aus
internationalen Prestigegründen – das Verhältnis zum Judentum. Als mit der Wende 1989/90
das wiedervereinigte Deutschland zum Zufluchtsort für viele Juden aus den Nachfolgestaaten
der ehemaligen Sowjetunion wurde, erfuhr auch das jüdische Leben in Chemnitz eine Wieder-
geburt. Während der DDR – Zeit schrumpfte die Mitgliederzahl der jüdischen Gemeinde.
Das jüdische Leben fand jedoch trotzdem intern in den Gemeinderäumen an der Stollberger
Straße statt. Die Hauptfeiertage wurden gemeinsam mit der Gemeinde Dresden und Leipzig
begangen. Heute zählt die Jüdische Gemeinde Chemnitz, die im Jahre 2002 ihre Neue
Synagoge weihen konnte, wieder fast 700 Mitglieder. Die Chemnitzer Gemeinde ist heute
eine der aktivsten jüdischen Gemeinden in den neuen Bundesländern. Neben den Gottes-
diensten zu Schabbat werden alle Feiertage während des jüdischen Jahres begangen. Unter
dem Dach der Gemeinde haben sich 5 Vereine, ein Gemeindechor und eine Tanzgruppe
gebildet, die alle gemeinsam das kulturelle Leben der Stadt bereichern. Die Kinder der
Gemeinde besuchen regelmäßig den Religionsunterricht. Ein Kindergarten ist für das
kommende Jahr geplant.

Die Ausstellung 125 Jahre Jüdische Gemeinde in Chemnitz in den Kunstsammlungen Chemnitz
– Museum am Theaterplatz dokumentiert anhand von zahlreichen religiösen Objekten, Foto-
grafien, Kunstwerken und Modellen die Chronik jüdischen Lebens in Chemnitz.

VORTRÄGE

Zur Ausstellung findet ein umfangreiches Vortragsprogramm statt.

FILME
Universität Southern California
USC Shoah Foundation Institute for Visual History and Education

ÖFFENTLICHE FÜHRUNGEN
Sonntag, 17. Oktober 2010, 16 Uhr
Sonntag, 31. Oktober 2010, 16 Uhr
Sonntag, 14. November 2010, 16 Uhr
Sonntag, 28. November 2010, 16 Uhr
Sonntag, 12. Dezember 2010, 16 Uhr

The houses of the Kunstsammlungen Chemnitz

Kunstsammlungen am Theaterplatz, Foto: Kunstsammlungen Chemnitz/PUNCTUM/Bertram Kober

Kunstsammlungen am Theaterplatz

The Kunstsammlungen am Theaterplatz are among the largest civic art collections in Germany and cover all genres of artistic production, from painting and sculpture to graphic art and decorative art, with a special focus on textiles.

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  • Opening Hours

    February to May 2026: Wed – Sun, public holidays 11 am – 6 pm
    from June 2026: Tue – Sun, public holidays 11 am – 6 pm
    closed 24./25./31.12.

  • Admission

    General admission 10 Euros, reduced admission 6,50 Euros

    For children and adolescents through age 17, as well as for students of the Technical University Chemnitz, holders of a Chemnitzpass, and chaperones to severely handicapped persons, admission is always free.
    For further information regarding individual and group admission fees and combination tickets valid for more than one of the museums within the Kunstsammlungen Chemnitz, please see the schedule of fees (Entgeltordnung).

    Tickets
  • Combination Ticket – Art Collections at Theaterplatz and Gunzenhauser Museum

    From November 4, 2025: general admission 18 euros, reduced admission 12 euros

  • Combination Ticket – All Museums Including Rabenstein Castle

    From November 4, 2025: general admission 28 euros, reduced admission 19 euros

    Tickets
  • Accessibility

    For barrier-free access, a visitor guidance system with an inclusive floor guidance system, orientation boards with Braille and pyramid writing and an elevator at ground level to all exhibition floors are available at Theaterplatz. Further information can be found at inclusion and accessibility.

  • Getting there

    Theaterplatz 1, Chemnitz
    Getting there from Chemnitz Main Station: approx. 5 minutes walk

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